Gott kommt als Kind

Erschienen ist die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes. Gott kommt nicht mit Macht und blendet uns nicht mit seiner Herrlichkeit, die uns zu Boden zwingt.

Er kommt als kleines Kind in diese unsere Welt, er gibt sich in die Hand des Menschen um uns eine Ahnung davon zu geben, was Liebe ist.

Was bewegt uns Menschen, was treibt uns, etwas zu tun oder nicht zu tun? Es gibt vor allen Dingen zwei Beweggründe für unser Handeln: Die Angst und die Liebe.

Psychologen vermuten, bei vielen Menschen seien die Beziehungen zu anderen zu mehr als 90% auf Angst aufgebaut und zu weniger als 10% auf Liebe. Vielleicht beginnt diese Erfahrung schon mit unserer Erziehung. Damit wir gehorchen und uns richtig verhalten wurde uns nicht selten Angst gemacht auch mit dem „lieben Gott, der alles sieht”. Angst macht gefügig. Angst ist voller Verpflichtungen. Wer aus Angst handelt, handelt weil er es muss. Mit der Menschwerdung Jesu Christi ist uns eine andere Gottesvorstellung aufgeleuchtet. In ihm ist die Liebe und Menschenfreundlichkeit Gottes erschienen, die uns zur Liebe befreit. Seine erste und wichtigste Lebensregel lautet: „Liebe Gott, von dem du geliebt wirst, und deinen Nächsten wie dich selbst.”

Liebe kennt keine Verpflichtung sondern tut, was sie will aus Liebe. Angst belastet, bedrückt, schnürt die Kehle zu und macht unfrei. Handeln aus Angst erwartet ständig Lob und Belohnung und scheut die Verantwortung, Liebe dagegen vertraut. Wenn der Prophet Jesaja ankündigt, dass „die im Dunkeln wohnen ein großes Licht schauen werden”, dann leuchtet dieses Licht auch in die Dunkelheit unserer Ängste und will uns davon befreien. Vielleicht ist der hier abgebildete Josef noch immer ein Mensch der Ängste, während Maria schon souverän das Licht empfangen hat und weitergibt.

Ich wünsche Ihnen ein Weihnachtsfest, das wie ein Licht auch Ihr Leben heller werden lässt und Ihnen viel Phantasie schenkt, die Liebe, die sich uns Christen in der Menschwerdung gezeigt hat, auch Ihren Lieben und Nächsten weiter zu geben. Dafür sind ja auch unsere Weihnachtsgeschenke ein Zeichen.

© Pfarrer Norbert Blome, Ulm — Suso Gemeinden
Kreuz

Die Jakobsmuschel
Nr 22 • Dezember 2008

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