Gemeinsam unterwegs

Wir leben in einer Zeit, in der sich alles beschleunigt, die weltweite Übermittlung von Nachrichten zum Beispiel oder die Geschwindigkeit der Fortbewegungsmittel. Alles, was mit Langsamkeit, Bedächtigkeit und pausieren zu tun hat geht unter: „Zeit ist Geld”. Es gilt die Spannung auszuhalten zwischen der Erfahrung mittels der Technik enorm viel Zeit einsparen zu können und andererseits die gewonnene Zeit, den Zeitüberfluss sofort wieder mit Aktivitäten füllen zu wollen. Inzwischen ist es vielen Menschen ein echtes Anliegen geworden, den Weg zur Muße und zur Langsamkeit wieder zu entdecken.

Vielleicht sind deshalb auch so viele Menschen auf dem Jakobusweg: Sie möchten anknüpfen an die Geschwindigkeit und den Lebensrhythmus der Pilger im Mittelalter. Deren Leben war allerdings ärmlich - sie hatten kaum etwas, waren auf Gastfreundschaft angewiesen, auf jede Hilfe. Kein Handy, kein Internet, keine super leichte Kleidung und Stiefel, keine ausgeschilderten Wege. Keine Sicherheiten.

Heute scheint die Suche nach dem Sinn die Triebkraft zu sein… und der Wille sich nicht weiterhin leben zu lassen, sondern selbst zu leben. Keine Termine, kein Leistungsdruck. Manche halten das auch durch. Gehen ihren Weg, in ihrem Rhythmus und werden langsam eins mit der Schöpfung. Sie kommen zu sich selbst. So gehen sie den langen Weg der Menschwerdung. Meist werden auch nicht alle Sinnfragen beantwortet, sondern es kommen noch mehr Fragen hinzu. Das ist dann ganz so, wie mit der Geburt Jesu auf deren Feier wir in diesen Tagen zugehen. Auch sie wirft mehr Fragen auf als sie Antworten gibt. …„Was ist der Mensch, dass du an ihn denkst?”… „Du hast ihn wenig geringer gemacht als Gott.”, formuliert der Psalmist in Psalm 8.

Vielleicht suchen wir deshalb unaufhörlich nach der Antwort auf die Frage: Was lockt denn Gott ins Menschsein? Gott sucht den Menschen! Gott mutet sich die Grenzen der menschlichen Natur zu und wir brauchen uns nur finden zu lassen: als Mensch. Bleiben wir also unterwegs, bleiben wir auf dem Weg, dem Jakobusweg… „…bis Christus in euch Gestalt annimmt.” (Gal. 4,19) Gott in uns Gott sein lassen. Vielleicht braucht unsere Zeit solche Wege und damit Prozesse der Menschwerdung, des Friedens und der Harmonie, denn: Wär' Christus tausendmal in Bethlehem gebor'n und nicht in dir, du wärst doch ewiglich verlor'n (Angelus Silesius)

© Julia Kohler
Kreuz

Die Jakobsmuschel
Nr 20 • Dezember 2007

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